Umgestaltung der Ilme 2018

Umgestaltung der Ilme 2018


Anfang der 1970er Jahre wurde die Ilme östlich und südlich von Einbeck auf etwa 4 km Länge ausgebaut und teilweise begradigt. Durch die größere Leistungsfähigkeit des Abflussprofils verprach man sich einen besseren Hochwasserabfluss und mehr Sicherheit bei großen Abflussereignissen.

Bericht aus der Einbecker Morgenpost zum Ausbau der Ilme (Datum leider unbekannt, 197?)

Beginnend an der Mündung in die Leine bei der Clus wurde die Ilme auf etwa vier Kilometern Länge schrittweise hochwassertauglich gemacht. Das Flussbett bekam ein größeres, durchgehend trapezförmiges Querprofil. Die Böschungsfüße wurden durchgehend bis über die Mittelwasserlinie massiv mit Wasserbausteinen gesichert. Zum lokalen und kontrollierten Abbau der Fließenergie wurde kurz oberhalb der Mündung des Mühlenkanals ein Sohlenabsturz eingebaut. Größerer Bewuchs war danach auf der gesamten Strecke nicht mehr zugelassen und wurde bis vor einigen Jahren auch konsequent entfernt. Im oberen Abschnitt der Ausbaustrecke ist die Sohle der Ilme nach dem Ausbau um mehr als einen Meter erodiert. Durch das geringere Gefälle nahmen auch die Fließgeschwindigkeiten ab und es lagerten sich vor allem im Uferbereich Feinsedimente ab. Im Sommer bot sich zunehmend das gleiche Bild: eine nahezu vollständige Verkrautung des Gewässerbettes. Insgesamt bot die Ilme über mehr als 40 Jahre ein sehr trostloses Bild.

Ilme unterhalb der Eisenbahnbrücke / Kläranlage, Blick flussab Richtung Leine (Aufnahme aus 2016). Auf dem Süd- bzw. rechten Ufer wurden bereits gruppenweise Schwarzerlen gepflanzt.

Glücklicherweise fand nach und nach ein Umdenken statt. In den 1990er Jahren wurden durch den Leineverband in regelmäßigen Abständen 15 m bis 20 m lange Sohlengurte aus großen Wasserbausteinen im Abschnitt zwischen dem Sohlenabsturz und der Mündung in die Leine eingebaut. Diese brachten bei Niedrigwasser zwar lokale Erhöhungen der Fließgeschwindigkeit, führten jedoch auch zum Charakter einer „Staukette“ mit zunehmender Verschlammung der Uferbereiche und auch der Gewässersohle. Nachdem die Sohlengurte 2013 schließlich zu Dreicksbuhnen umgebaut wurden, sind die Feinsedimente zum Teil wieder ausgetragen worden. Die Fließgeschwindigkeit der Ilme ist seither bei geringen Durchflüssen deutlich erhöht.

Zu Strömungslenkern umgebauter Sohlgurt: Wenigstens etwas Strömungsdiveristät (und Struktur) in diesem sonst trostlosen Abschnitt.

Nachdem im Herbst 2011 bereits die Wehranlage unterstrom von Hullersen zurückgebaut wurde, war im Sommer 2018 auch der Sohlenabsturz am Alten Zollhaus an der Reihe. Obwohl seinerzeit eine „hochmoderne“ Fischaufstiegsanlage am rechten Ufer gebaut wurde, war das Bauwerk immer für die gesamte Wasserfauna ein Wanderhindernis. Da der Fischpass in seiner Funktion stark eingeschränkt war (großer Unterhaltungsaufwand, Einstieg zu weit unterstrom des Absturzes, große Fließgeschwindigkeiten), konnten nur bei Hochwasser und Rückstau aus der Leine schwimmstarke Fische das Querbauwerk flussaufwärts überwinden.

Sohlabsturz am Alten Zollhaus.

Im Sommer 2018 wurde der gesamte Ilme-Abschnitt zwischen dem Sohlenabsturz und der Brücke am Marktanger durch den Leineverband naturnah umgestaltet (vgl. GoogleMaps-Karte).

Im Einzelnen:

  • Entfernung des Hybridpappel-Bestandes am linken Ufer (geschehen im Januar 2018).
  • Abgrabung der linken Uferböschung auf einem Streifen von etwa 12 m Breite zur Schaffung einer „Sekundäraue“ und als Flächenausgleich für den Hochwasserschutz.
  • Vollständiger Rückbau des Sohlenabsturzes
  • Einbau von insgesamt 16 niedrigen Riegeln aus Wasserbausteinen in etwa gleichen Abständen von ca. 70 m zur Sicherung der Sohlen- und Wasserspiegellagen. Die Riegel wurden mit einer fischgängigen Lücke versehen und werden bereits bei mittlerem Niedrigwasserabfluss vollständig überströmt.
  • Teilweise Entfernung der Böschungssicherung am linken Ufer und Einbau von Strömungslenkern am rechten Ufer unterstrom der Riegeldurchlässe. Dadurch soll die Hauptströmung bis etwa Mittelwasser an das linke Ufer abgelenkt werden. Lokale Böschungsabbrüche und Umlagerungen des Sohlensubstrates sollen so entstehen.
  • Anpflanzung von standorttypischen Gehölzen wie Weiden, Schwarzerlen und Stieleichen.

Auch wenn die Ilme aus Hochwasserschutzgründen nicht in einen dynamischen, dem ursprünglichen Bild nahe kommenden Zustand versetzt werden kann, so ist dieses Vorhaben doch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, ihren ökologischen Zustand deutlich zu verbessern.

Der Fischereiverein Einbeck befürwortet diese Maßnahme uneingeschränkt, beobachtet die Entwicklungen mit großem Interesse und freut sich auf die „neue“ alte Ilme.

Über den folgenden Link gelangen Sie zu einer Fotodokumentation vom Bauablauf.

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