Strukturaufwertung Mühlenkanal (2025)

Was ist das Ziel?
Der Einbecker Mühlenkanal ist ein weitgehend künstlicher Gewässerlauf, der heute im Wesentlichen als Vorfluter für die Ortsentwässerung eines Teils des Einbecker Stadtgebietes dient. Da der Durchfluss im Mühlenkanal direkt an den der Ilme mit ihren natürlichen bzw. jahreszeitlichen Schwankungen gekoppelt ist, kommt es besonders in abflussarmen Perioden immer häufiger zu sehr geringen Wassertiefen bzw. Fließgeschwindigkeiten. Das Gewässerbett ist vielfach zu breit für die ankommende Wassermenge, so dass dieses mit der Zeit auf einem Großteil der gesamten Strecke stark verlandet ist. Die negativen Folgen aus ökologischer Sicht sind insbesondere Sauerstoffzehrung, Überdeckung der grundsätzlich vorhandenen Kiessohle mit Feinsediment oder fehlende Unterstände (für Fische). Trotz der urbanen Einflüsse und Strukturdefizite besitzt das Gewässer ökologisches Potential, das durch Maßnahmen wie diese gefördert werden soll.
Das Grundprinzip besteht darin, durch eine Anpassung des Niedrigwasserquerschnittes den o.g. Effekten vorzubeugen.
Für das Vorhaben bot sich der Abschnitt unterstrom der Brücke Schlachthofstraße bis etwa zum Zahntechnischen Labor an:
Das Gewässerbett ist in diesem Abschnitt mit bis zu 5 m selbst für den Mühlenkanal sehr breit, besitzt jedoch gleichzeitig ein vergleichsweise hohes Längsgefälle von ca. 1 bis 1,5 Promille (d.h. 1 bis 1,5 m auf dem Kilometer). Die Sohle besteht weitgehend aus Hartsubstrat (Mittel- bis Grobkies, z.T. mit Fremdmaterial wie Bauschutt u.ä. durchsetzt), da der Mühlenkanal dort im ehemaligen Bachbett des Krummen Wassers verläuft. Eine gewisse Grundausstattung an wertigen Habitatstrukturen für eine Vielzahl von Fischarten bzw. deren Altersstadien war vorhanden und konnte aus Sicht des FVE noch weiter gefördert werden.

Ursprünglicher Zustand des Mühlenkanals im betrachteten Abschnitt.
Der Mühlenkanal in diesem Bereich ist „traditionell“ Laich- und Aufwuchsgewässer für die Bachforelle und Äsche sowie Lebensraum zahlreicher Kleinfischarten, wie Groppe, Elritze und Bachneunaugen als besonders wertgebende Arten. Weitere vorkommende Kleinfischarten sind Dreistachliger Stichling, Bachschmerle und Gründling. Darüber hinaus sind der Aal und vereinzelt Hecht, Flussbarsch und Rotauge vorhanden.
Die jährlich durchgeführten Fischbestandsuntersuchungen durch den FVE bestätigen die positive ökologische Wirkung der bereits vorhandenen Strukturen. In deren Bereichen sind Fischdichte und Artenzahl deutlich höher als in den dazwischenliegenden strukturarmen bzw. -freien Abschnitten. Vor allem strukturgebundene Fischarten/-größen wie die Groppe oder juvenile Bachforellen (Altersklasse 0+) profitieren davon. Im hier beschriebenen unteren Abschnitt des Mühlekanals ist die Artenzahl mit bisher 11 nachgewiesenen Arten am höchsten. Aufgrund des vergleichsweise geringen Strukturangebots in Kombination mit niedrigen Wassertiefen sind Individuen mit mehr 20 cm Körperlänge jedoch praktisch nicht vorhanden.
Was wurde gemacht?
Der Einbau der Strukturen erfolgte durch Mitglieder des Fischereivereins Einbeck e.V. nach vorheriger Abstimmung mit der Stadt Einbeck, dem Leineverband und dem Landkreis Northeim (Untere Wasserbehörde und Untere Naturschutzbehörde).
Auf insgesamt 460 m Strecke sind folgende Elementen/Strukturen eingebaut worden:
- 21 Stämme aus Eschenholz als Strömungslenker, davon 19 einseitig inklinant und zwei beidseitig inklinant, sowie
- neun Kiesdepots (geschätzt ca. 18 m³/30 t, bzw. die Ladung zweier Dreiachser).
Die Eschenstämme stammten aus einer Baupflegemaßnahme der Stadt Einbeck im Winter 2024/25 direkt vor Ort, so dass ein entsprechender Transportaufwand und die zugehörigen Kosten vermieden werden konnten. Auch der Kies wurde wiederverwertet. Dieser fiel in der Ilme in Hullersen bei einer Brückenräumung im Rahmen der Gewässerunterhaltung durch den Leineverband an. Der weitaus größere Anteil dieser Maßnahme wurde übrigens in der Ilme oberhalb des ehemaligen Kulturstaus dem Gewässer zurückgegeben. So bleibt das so wertvolle Substrat im System und sorgt nun dort für noch besserer Bedingungen.
Die Einbauten sind allesamt so positioniert worden, dass das Niedrigwasserprofil um ca. 2/3 eingeengt und die vorhandene Sohlen- und Uferstruktur bzw. das Strömungsbild und die Gefällesituation bestmöglich ausgenutzt wurde. Kurven- und Pralleffekte oder bereits vorhandene „tiefere“ Rinnen konnten so erhalten oder optimiert werden, um die Strömungs- und Tiefenvarianz weiter zu erhöhen. Mit ca. 30 cm (= Stammdurchmesser) bzw. maximal 40 bis 45 cm (= Höhe der Sicherungspfähle) über der vorhandenen Sohle sind alle Strukturen bei Mittelwasser überströmt.

Prinzipskizze zur Wirkungsweise
Strömungslenker
Die Befestigung der Stämme erfolgte, wie in der Vorhabensbeschreibung ausgeführt, mittels Holzpfählen (Robinie, 8-10 cm Durchmesser, mindestens 50 cm in die Sohle eingebunden), sowie einer Überspannung mit Draht und Sisalseil (zusätzlich mit Holzkrampen gesichert). Die Pfähle wurden nach dem Einschlagen auf ausreichenden Zugwiderstand überprüft und bis auf 10 cm über dem Stamm gekürzt.
Kieseinbau
Für den Einbau des Sohlensubstrats aus der Ilme kam eine robuste Kunststoffplane zum Einsatz, die an den gewählten Stellen auf das Ufer gelegt und auf der das Material zum Wasser heruntergeschüttet wurde. Eingebaut wurde der Kies als vom Ufer zur Sohle flach geneigte Bank, in der Regel in Kombination mit einem Strömungslenker.
Ad-hoc-Beobachtungen
Trotz des geringen Durchflusses kam es bereits unmittelbar nach dem Einbau in geringem Maße zu den gewünschten hydraulisch-morphologischen Effekten, d.h. des Abtransports von Feinsediment aus der Engstelle und dessen Ablagerung in den Ruhezonen. Für die Vereinsmitglieder war dies eine besonders befriedigende Erfahrung und hat für gute Motivation geführt („Man sieht sofort, dass es wirkt, toll!“).
Etwa drei Monate nach Fertigstellung führte der Mühlenkanal aufgrund eines kleinen Hochwassers erstmalig deutlich mehr Wasser, so dass die angestrebte Wirkung vollends zum Tragen kam.
Wie geht es weiter?
Entgegen der ursprünglichen Planung wurde auf den Einbau von Strukturen im unteren Teil der Strecke verzichtet. Die Feinsediment-/Schlammablagerungen sind in diesem Abschnitt aus verschiedenen Gründen (temporäre Stauwurzel des Biberdamms an der Mündung bzw. Rückstaueffekte aus der Ilme, begünstigt durch Stauendes Holz und den geringen Durchfluss) auf mittlerweile ca. 30 bis 40 cm Stärke über der Kiessohle angewachsen. Um hier einen Effekt wie oberstrom zu erzielen, hätten Stämme mit wesentlich größerem Durchmesser bzw. grundsätzlich höhere Strukturen angewendet werden müssen.
Auf Basis der bisherigen Erfahrungen wird derzeit ein Konzept zur Umgestaltung dieses Abschnitts und auch des Mühlenkanal in der oberstrom anschließenden Strecke erstellt und soll bald umgesetzt werden.
Dokumentation
Nach dem Einbau erfolgt eine regelmäßige Kontrolle auf die Wirkungen in Form von Fotodokumentationen, Unterwasser-(Video-)Aufnahmen, Elektrobefischungen.
Fragen zum Projekt? Email an info@fischereiverein-einbeck.de

Regelmäßiger Besuch der Wasseramsel. Hier auf einem der eingebauten Stämme.
