Die Äsche – Eine waschechte Einbeckerin

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Ächenmilchner auf einem Laichplatz in der Ilme (Foto: R. Eikenberg)

Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Äsche (Thymallus thymallus) eine der häufigsten Fischarten in Mittel- und Nordeuropa. Ihre Bestände erreichten solch immense Größen, dass eine ganze Flussregion nach ihr benannt wurde („Äschenregion“). Heute ist der frühere Massenfisch vielerorts selten geworden oder gänzlich verschwunden. Der technische Gewässerausbau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, kombiniert mit der Verschmutzung der Bäche und Flüsse und in den letzten Jahren der lokal deutliche Fraßdruck durch den Kormoran setzten bekanntlich nicht nur dieser interessanten Fischart zu.

Fahnenträgerin

Die Äschenregion der Fließgewässer umfasst die schnellfließenden, kiesgeprägten großen Bäche und kleinen Flüsse des Berg- und Hügellandes wie beispielsweise die Ilme. Dort ist das Wasser sauerstoffreich, klar und auch im Sommer noch angenehm kühl.

Ilme in Einbeck (Foto: R. Eikenberg)

Die Äsche ist nah mit den Lachsfischen wie der Bachforelle verwandt, wobei die wenigen Ähnlichkeiten erst auf den zweiten Blick auffallen. Ihr markantestes Merkmal ist die große, weit nach hinten ausgezogene Rückenflosse, die so genannte „Fahne„. Der mit silbrigen, relativ großen Schuppen bedeckte Körper ist spindelförmig und im vorderen Bereich der Flanken oftmals mit kleinen schwarzen Flecken bedeckt. In der Laichzeit sind die Männchen kräftig matt-grau, fast schon schwarz gefärbt und die Rückenflosse leuchtet in Blau und Purpur. Äschen können bis zu 60 cm lang werden.

Großer Äschen-Milchner aus der Ilme. Auffällig ist das unregelmäßige Schuppenmuster, was auf frühere Verletzungen hindeutet (Foto: R. Eikenberg)

Im Frühjahr, je nach Witterung im März oder April, sammeln sich die Äschen nach kurzen Laichwanderungen flussaufwärts an flachen, schnell überströmten Stellen, um für Nachwuchs zu sorgen. Die Rogner (die weiblichen Fische) schlagen mit dem Hinterleib eine flache Grube in den Kies, in welche die Eier abgegeben werden. Ein Weibchen produziert davon etwa 6.000 bis 10.000 Stück pro Kilogramm Körpergewicht – viel weniger, als zum Beispiel Karpfenfische oder der Hecht. Dafür sind die Äscheneier mit 3 bis 4 mm deutlich größer. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die kleinen Äschen nach zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit kann jedoch allerhand passieren. Hochwasser kann die Flusssohle umlagern und die Eier fortspülen. Genauso können Niedrigwasser und zu hohe Temperaturen, zusammen mit beginnendem Algenaufwuchs durch zu viele Nährstoffe dafür sorgen, dass der Laich nicht genügend frisches Wasser bekommt und abstirbt.

Lokale Situation

Die Äsche reproduziert nachweislich in der Ilme, dem Mühlenkanal und dem Krummen Wasser. Dem in manchen Jahren recht hohen Jungfischaufkommen zu urteilen geschieht dies auch in der Leine, wenngleich der Bestand dort besonders unter dem Fraßdruck durch Kormorane steht.

Video: Äschen beim Laichen in der Ilme (Video: R. Eikenberg)

Die Ilme ist ein typischer Äschenfluss. Die Sohle besteht aus lockerem Kies und bis auf den Unterlauf ist sie noch weitgehend naturnah und vergleichsweise wenig verbaut. Die hohe Abflussdynamik und die dadurch – zumindest in den nicht ausgebauten Strecken – hohe Veränderungsdynamik des Flussbettes bietet ziemlich gute Voraussetzungen für die Reproduktion von Kieslaichern. Der lokale Äschenbestand ist so auch trotz einiger starker Kormoran-Jahre noch stabil geblieben (s. unten), aber leider bei weitem nicht mehr so groß, wie noch vor 20 Jahren.

Äschen-Rogner mit typischen Bissspuren eines Kormorans, direkt hinter dem Kiemendeckel (beidseitig, Foto: R. Eikenberg)

Aus dem Archiv des Fischereivereins geht beispielsweise hervor, dass Mitte der 1980er Jahre der Äschenbestand in den Vereinsgewässern so groß war, dass über mehrere Jahre in Folge um die 1.000 Stück in die Fangbücher der Mitglieder eingetragen wurden. Ein weiteres, jedoch deutlich kleineres Bestandshoch folgte Anfang der 2000er Jahre. Interessant ist, dass jeweils kurz zuvor, nämlich 1981 und 1998, Hochwasser mit großen Abflüssen auftraten, die für eine vollständige Umlagerung der Flusssohle sorgten. Diese periodischen Umlagerungen von Geschiebe sind wichtig, um das Lückensystem der Kiessohle offen zu halten. Eine erfolgreiche Vermehrung der Äschen wäre sonst nur bedingt möglich. Seit dem Ende der 1990er Jahre finden sich jedoch auch vermehrt Kormorane auf der Ilme und Leine. Insbesondere kalte Winter zwingen die Vögel (und aus dem Norden angereiste Artgenossen) dann auf die eisfreien Fließgewässer auszuweichen. Ein Trupp von nur fünf bis zehn Kormoranen kann den Laichfischbestand in einem Gewässer wie der Ilme fast vollständig dezimieren. Kommen dann noch weitere ungünstige „Zufälle“ wie Hochwasser, Niedrigwasser, Nitratbelastungen etc. hinzu, kann ein Bestand ausgelöscht werden.

Um auf die Bestandssituation der Äsche in Mitteleuropa aufmerksam zu machen, wurde sie in den letzten Jahrzehnten bereits zweimal als Fisch des Jahres benannt, nämlich 1997 und 2011.

Äschenprojekt

Seit 2015 ist der Fischereiverein Einbeck e.V. zusammen mit dem Anglerverband Niedersachsen e.V. an einem Artenschutzprogramm zum Erhalt und Wiederaufbau der Äschenbestände in Südniedersachsen beteiligt. Durch den Fang von Laichfischen und die Gewinnung von Rogen und Milch soll versucht werden, einen Grundstamm für die Zucht aufzubauen. Allerdings gibt es bisher nur wenige Erfahrungen zur künstlichen Vermehrung von Äschen.

Elektrofischen auf der Ilme im Frühjahr 2018 (Foto: Eikenberg)

Nachdem die ersten Jahre eben diese Erfahrungen verbessert hatten (und leider auch viel Lehrgeld bezahlt wurde), konnten 2018 mehrere tausend Jungäschen mit Laich von Wildfischen erbrütet werden.

Befruchtung der Eier nach dem Abstreifen (Foto: R. Eikenberg)

Die Universität Göttingen (Department für Nutztierwissenschaften, Abteilung Aquakultur und Gewässerökologie) und ein lokaler Fischzüchter unterstützen uns tatkräftig bei dem Vorhaben.

Ausblick

Jungäsche (links, ca. 8 Wochen alt) und junge Bachforelle (rechts, ca. 4 Monate alt) aus dem Mühlenkanal; bei einem Elektrofischen zur Bestandskontrolle im Juni 2018 (Foto: Eikenberg)

Jungäsche im Mühlenkanal (Aufnahme: Eikenberg)


Weitere Informationen

Äschen-Projekt beim Anglerverband Niedersachsen e.V. (Link):